Bitte gebt mir doch einfach eine Rechnung.

Vor zwei Wochen hatte ich folgendes Erlebnis: Nach einem intensiven Arbeitstag bestellen Uschi und ich uns Essen, genauer gesagt: Eierreis vom Lieblings-Chinesen. Das ist mein Guilty Pleasure in anstrengenden Zeiten, wenn grad besonders viel zu tun ist. Nichts passt da besser als in Öl geschwenkter Eierreis mit Gemüse, aus dem man die Erbsen dann einzeln rausfudelt. Großartig.

Das Essen kommt nach über einer Stunde, ich packe es aus und sehe mir die Rechnung an. Stellt sich raus: Es ist keine Rechnung, sondern ein Kundenbeleg. Das bedeutet: kein Datum, keine Uhrzeit, keine Angaben zur verrechneten Steuer. Informationen, die ich aber bräuchte, wenn ich die Rechnung in die Buchhaltung nehmen will. Und zum wiederholten Male frag ich mich: Wieso ist es bitte so schwer, eine Rechnung auszustellen?

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Ich rufe also beim Lokal an und sage, dass ich keine Rechnung bekommen habe. Die Antwort: „Haben Sie das bei ihrer Bestellung dazugesagt?“
Nein, habe ich nicht. Muss ich auch nicht. Will ich auch nicht. Ich bestelle etwas, bekomme es und erhalte eine Rechnung. So einfach ist es. Theoretisch. Denn das klappt in Geschäften, Hotels, Online-Shops und großen Ketten wie Starbucks – aber eben nicht in Lokalen. Dabei dachte ich, dass sich das durch die Registrierkassenpflicht ändert?

Es ist SO anstrengend. Nichts nervt mich mehr an der Selbstständigkeit als das Feilschen um die Rechnung. Fast nirgends bekommt man sie ungefragt. Stattdessen passieren nervige Dinge:

  • „Eine Mehrwertsteuer-Rechnung bitte.“ – „Puh, das kann aber dauern, da muss ich den Chef fragen.“
  • „Eine Rechnung bitte.“ – „Da liegt sie eh.“ – „Das ist keine.“ – „Ah, Sie meinen mit Steuer?“
  • „Ich brauch eine Mehrwertsteuer-Rechnung.“ – „Ich hab die Konsumation schon abgeschlossen, das geht jetzt nicht mehr.“
  • „Eine Mehrwertsteuer-Rechnung bitte.“ – „Ja, bring ich ihnen gleich. Die muss ich Ihnen nämlich sowieso geben!“

Was Sie nicht sagen! Dieser Meinung sind die meisten Lokale nämlich nicht.

Ich begreife es tatsächlich nicht. Wenn ich zu H&M gehe, bekomme ich eine Rechnung. Wenn ich einen Burger bei McDonalds kaufe, erhalte ich eine Rechnung. Wenn ich in ein Wiener Kaffeehaus gehe – ok stimmt, da muss ich überhaupt froh sein, wenn ich bedient werde und mich der grantige Kellner nicht köpft. Da ist die Rechnung noch mein kleines Problem.

Liebe Lokale, bitte bitte BITTE gebt uns KundInnen doch einfach eine Rechnung, wenn wir etwas konsumieren. Ohne Diskussion. Ohne vorher danach gefragt zu werden.

PS: Wie die Sache mit dem geliebten Eierreis ausging? 10 Tage nach dem Vorfall rief die Restaurantleitung bei mir an und fragte, ob ich daheim sei. Dann kam nach 20 Minuten ein Lieferant vorbei, drückte mir eine ordnungsgemäße Rechnung in die Hand, wünschte mir einen schönen Tag und verschwand wieder. Das war schön. <3 #eierreisftw

PPS: Spannend zu diesem Thema fand ich übrigens diesen Artikel im profil.

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