Der Jänner in Büchern

So viele gelesene Bücher aber so wenig Zeit, um sie zu besprechen, zu reflektieren und weiterzuempfehlen. Das muss sich ändern! Hier ein paar Bücher, die ich im vergangenen Monat besonders genossen habe.

Gretchen Rubin – The Happiness Project

Mit Ratgebern ist es immer schwierig: sie versprechen einem, dass sich das eigene Leben innerhalb von 330 Seiten ändern wird. Ist man am Ende des Buches angelangt, stellt man leider fest, dass es doch nicht so einfach ist. Unter anderem ein Grund, dass viele solche Bücher gar nicht erst anrühren.

In diese Kerbe schlägt „The Happiness Project“ zum Glück nicht. Es ist stattdessen ein Selbstversuch: Gretchen Rubin ist Schriftstellerin, hat zwei Töchter, einen liebevollen Mann und ausreichend Geld – sie führt eigentlich ein glückliches Leben. Aber ist sie wirklich glücklich? Rubin ist der Frage nachgegangen und hat ein Jahr ihres Lebens dem Happiness Project verschrieben. Jeden Monat hat sie sich einem bestimmten Lebensbereich gewidmet und geht der Frage nach, wie man diesen jeweils so gestalten kann, um möglichst glücklich zu werden. Da geht es um dann zum Beispiel um Partnerschaft, Kinder, Arbeit, Hobbies, Glauben. Das liest sich erstaunlich unterhaltsam. Gut, die Frage, warum dafür ein Plan mit einer Checkliste nötig ist, ist berechtigt; aber die Idee, Gedanken und Ansätze zu dem Thema sind interessant, witzig und ziemlich motivierend. Kein Wunder, dass die Idee viele LeserInnen selbst aufgegriffen haben und ihr eigenes „Happiness Project“ umgesetzt haben.

George Packer – The Unwinding

Gibt es einen besseren Zeitpunkt, um ein Buch über die politische und soziale Entwicklung der USA ein Buch zu lesen als jetzt? Vermutlich nicht. George Packer hat bereits 2014 ein Buch darüber geschrieben: anhand von Porträts verschiedener Menschen skizziert er den Niedergang der USA in den vergangenen dreißig Jahren. Wie UnternehmerInnen, PolitikerInnen und ArbeiterInnen diese erlebt haben wird ebenso thematisiert wie das Leben bekannter Persönlichkeiten, von Oprah Winfrey über Jay-Z bis Andrew Breitbart. Zusammen ergeben die Porträts ein spannendes Bild über die Entwicklung der USA.

Für jene, die sich momentan viel über die USA aufregt, aber keinen guten Einblick hat in die sozialen und politischen Bedingungen: Absolute Leseempfehlung. (Eine ausführliche Buchbesprechung ist z.B. in der ZEIT erschienen.)

Paul Kalanithi – When Breath Becomes Air

Ein junger Neurochirurg erhält die Diagnose Lungenkrebs und beginnt, seine Geschichte aufzuschreiben. Wie das ganze ausgeht, nämlich, dass er stirbt und eine Frau und eine Tochter zurücklässt, ist von Anfang an klar – trotzdem oder vielleicht gerade deshalb geht die Lektüre von „When breath becomes air“ so nahe. Paul Kalanithi erzählt, wie er nach seinem Studium der Literatur sich doch noch für ein Medizin-Studium entschied, wie er die anstrengenden Jahre als angehender Mediziner erlebte und schließlich erkannte, dass seine körperlichen Schmerzen nicht nur mit der Selbstausbeutung erklärbar waren, sondern mit Krebs, der bei der Diagnose schon weit fortgeschritten war. Der Zeitdruck, unter dem diese Geschichte geschrieben wurde, ist beim Lesen deutlich spürbar: es bleiben eine Menge Fragen zurück und manchmal entsteht der Eindruck, dass das Ganze recht oberflächlich bleibt – was angesichts der Tatsache, dass dem Autor nicht mehr viel Lebenszeit blieb, kein Wunder ist.

John Leake – Der Mann aus dem Fegefeuer

„Jack“ lief 2015 in den heimischen Kinos und erzählte die Geschichte von Jack Unterweger. In der Hauptrolle: der überzeugend charmante und zugleich furchteinflößende Johannes Krisch, dessen Darstellung des mutmaßlichen Serienmörders das Interesse weckte, sich näher mit dem Fall Unterweger zu beschäftigen. Allzu viel Literatur über ihn gibt es nicht beziehungsweise nicht vieles, das nicht primär reißerisch und oberflächlich wirkt. John Leakes „Der Mann aus dem Fegefeuer“ ist kein Sachbuch, aber auch kein Roman – er rekonstruiert die Morde und das Leben Unterwegers und beschreibt die jahrelange, internationale Polizeiarbeit rund um den Fall, der schließlich in der Verhaftung und Verurteilung von Jack Unterweger mündete. Weltliteratur ist das keine, aber schaurig und spannend liest es sich allemal. Eigentlich ist die Geschichte schon zu sensationell, um wahr zu sein. Ist sie aber.

Oliver Burkeman – The Antidote

Ein nettes Contra und zugleich eine gute Ergänzung zu Gretchen Rubins „Happiness Project“: Oliver Burkeman widmet sich in seiner Arbeit ebenfalls den Themen Glück und Wohlbefinden. Er geht in „The Antidote“ der Frage nach, warum wir Menschen überhaupt danach streben, glücklich zu sein. Dafür spricht er mit Stoikern und anderen PhilosphInnen, nimmt an Schweige-Meditationen und Motivationsseminaren teil und führt Selbstgespräche in der U-Bahn. Burkeman zeigt, dass Glück Ansichtssache ist und das Streben danach nicht unbedingt die Lösung ist, wie es Selbsthilferatgeber und Motivationscoaches suggerieren. Wen das nicht überzeugt, sei der Guardian-Blog des Autors ans Herz gelegt.

Next Post:
Previous Post:
This article was written by