Einfach machen.

Ich bin überhaupt kein Fan von Neujahrsvorsätzen, kann aber gut verstehen, warum viele Menschen das Bedürfnis verspüren, zum Jahreswechsel einen Cut zu machen. Neu anzufangen. Dinge zu ändern. Besser zu werden. Etwas abzuschließen und dafür etwas Neues zu beginnen. Ich meine damit gar nicht unbedingt den Vorsatz, mit dem Rauchen aufzuhören oder den Weihnachtsspeck loszuwerden, sondern die Dinge, die Planung verlangen. Projekte, die man cool fände. Pläne, die man endlich schmiedet. Weil man während der Weihnachtspause meist auch endlich wieder mal Zeit hat, um über sowas nachzudenken. Man wird ganz euphorisch, skizziert, bastelt, plant, denkt, spinnt und werkelt vor sich hin und denkt die ganze Zeit: Das wird etwas! Endlich zieh ich etwas durch!

Nur: eigentlich fängt man gar nicht erst an. Im Grunde laufen, schleichen und wursteln wir um die Idee herum und trauen uns dann doch nicht, sie wirklich anzugreifen oder anzugehen. Wieso eigentlich?

Zu dem Thema fand ich diesen Beitrag spannend, vor allem diesen Satz: „The drug that everyone’s addicted to is thinking about doing the thing.“ Ich bin dafür auch so eine Traumkandidatin: nichts ist schöner, als über das Medium nachzudenken, dass ich eines Tages gründen werde, oder einen Plan aufzustellen für ein Projekt, dass ich dann nie umsetzen werde. Ganz wichtig dabei: bevor man mal irgendwas anfängt, unbedingt einen Plan machen! Eine Strategie überlegen! Ein Excel-Sheet anlegen! Eine Liste erstellen! (Bevor ich vor ein paar Wochen endlich wieder angefangen hab zu bloggen hab ich Monate damit verbracht, mir Listen und Redaktionspläne dafür zu machen. Redaktionspläne! Weil sich mein Hirn und ich natürlich strategisch überlegen müssen, wer wann wie bloggen wird. Absurd.)

Ich weiß nicht, warum das so ist (Angst vor dem Scheitern?) Ich bin damit jedenfalls nicht allein. Es ist immer recht unterhaltsam, den Mitmenschen beim Prokrastinieren zuzusehen. Der Typ, der für sein Start-Up das siebte Logo entwirft, anstatt sich um Investoren zu kümmern. Der Bald-Arbeitslose, der sogar lieber wieder anfängt, Sport zu machen, anstatt sich um seine Zukunft zu kümmern. Die vielen „Ich werd jetzt bald xy machen, ihr dürft gespannt sein“-RednerInnen, auf deren tolles neues Ding man seit einem Jahr wartet und von dem man schon ahnt, dass nichts kommen wird.

Ich will nicht so sein. Weil ich glaube, dass einen das nur aufhält. Weil man am Ende immer bei den Zweifeln landet, bei den vielen „Aber“-Gedanken im Kopf, bei den tausend Dingen, die Probleme bereiten könnten am Weg zum Erfolg. Man schreckt zurück und lässt es dann doch lieber bleiben. Das muss aufhören. Deshalb ist mein Vorsatz für – nein, nicht fürs neue Jahr, sondern generell für die Zukunft: Einfach machen! Es kann ja nicht viel passieren, außer dass man um ein paar Erfahrungen reicher wird. Nichts totdenken. Weniger grübeln. Einfach springen. Und vor allem: Nicht immer so viel zweifeln.

Einfach machen.

 

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  1. Phil at 13:39

    Full ACK. I am the king of procrastination. However…

    „Der Bald-Arbeitslose, der sogar lieber wieder anfängt, Sport zu machen, anstatt sich um seine Zukunft zu kümmern.“
    Manchmal ist es gut absichtlich zu prokrastinieren. Ich bin großer Fan davon ein paar Monate zwischen Jobs zu lassen und diese Zeit bewusst zu genießen.

    Das hängt (zumindest in meinem wirren Kopf) zusammen mit:
    – das schönste an Todo-Listen ist es Einträge die noch nicht fertig sind bewusst zu löschen
    – Dinge die „wichtig aber nicht dringend“ sind denen die „dringend aber unwichtig“ zu bevorzugen*

    * siehe http://lateralaction.com/base/media/post-images/urgent.jpg
    und https://www.mindtools.com/pages/article/newHTE_91.htm

    Anyway, awesome blog, keep up the good work.
    Greetings from Edinburgh!