Ich glaube, du brennst

Ich glaube, du brennst

Klebrig und zäh wie ein Kaugummi. Und das schon seit Monaten. Ganz ehrlich, wie anstrengend kann ein einzelnes Jahr eigentlich sein? Sich durch einen Vollzeitjob, eine ehrenamtliche Arbeit und den Studienabschluss gleichzeitig zu quälen ist verdammt mühsam. Und dann kommt jemand daher und schwafelt etwas von „du brennst überhaupt nicht mehr.“ Ja, ich weiß es eh selbst. Ich bin nicht so eine Wunderkerze, von der Jack Kerouac in „On the Road“ philosophiert.

„[…] the only people for me are the mad ones, the ones who are mad to live, mad to talk, mad to be saved, desirous of everything at the same time, the ones who never yawn or say a commonplace thing, but burn, burn, burn like fabulous yellow roman candles exploding like spiders across the stars and in the middle you see the blue centerlight pop and everybody goes ‚Awww!'“

Genau sollte jeder Mensch sein. Oder zumindest versuchen, so zu sein. Träume verwirklichen, Ziele verfolgen und dabei brennen. Wenn schon keine Wunderkerze, dann zumindest ein kleines Teelicht.

Aber dafür fehlt die Energie. Genau wie für all die anderen Dinge, die so gar nicht funktionieren wollen momentan. Mein Haushalt hat sich gegen mich verschworen, dauernd wird etwas kaputt, ich renne gegen Türen, werde krank und bin dauermüde. Zwischen Arbeit und Schlafen stehen regelmäßig zwei Stunden apathisch-in-der-Dunkelheit-auf-der-Couch-Sitzen am Programm. Die Musik ist mir abhanden gekommen, ich höre seit Monaten dieselben miesen Mix-CDs. Wann ich das letzte Mal ein Buch gelesen habe, weiß ich nicht mehr. In der Arbeit fühle ich mich mittelmäßig, meine Tweets sind scheiße, die To Do-Listen werden regelmäßig weggeschmissen und neu geschrieben, ohne dass ich irgendetwas davon erledigt hätte. Die Magisterarbeit wird und wird einfach nicht länger, trotz stundenlangen Grübelns und Tippens. Nichts ist gut genug, nichts geht weiter. Ein Leben im Leerlauf.

Manchmal soll’s einfach nicht sein. Alles wird besser, wenn diese blöde Magisterarbeit fertig ist. Und ich wieder ein funktionierendes Backrohr habe, um Trost-Schokokekse zu backen. Dann brennt, wenn es ich schon nicht bin, zumindest die Flamme im Gasherd.

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There are 2 comments for this article
  1. Stefan at 16:31

    Ich kenne das, ich könne dir auch viel erzählen wie es mir so geht und auf welcher Sparflamme ich laufe, aber das führt zu nichts.
    Was wirklich hilft ist gewisse Momente zu genießen, ein gutes Abendessen, ein Tag irgendwo wo es schön ist. Um das zu haben, muss man sich die Zeit dafür aber bewusst einteilen. Ich red leicht, ich schreibe keine Magisterarbeit, dennoch gibt es genug Gründe, die mich in der fexiblen Gestaltung meiner Freizeit behindern. Darum die Zeit die bleibt, für wirklich schönes nutzen.

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