Ich kaufte ein Brautkleid.

Ich kaufte ein Brautkleid.

Erstens dachte ich, dass ich nie heiraten würde. Zweitens, dass, falls ich doch heiraten würde, maximal in kleiner Runde recht unspannend diese Zeremonie hinter mich bringen würde. Weil’s ja drittens eh nicht viel bedeutet, zu heiraten.

50 verschickte Save the Date Karten später sieht die Sache ein bisschen anders aus. Weil man ziemlich schnell reinkippt in den Hochzeits-Trubel. Einmal schnell auf Pinterest Inspiration sammeln, nur kurz ins Papiergeschäft gehen, um die Kuverts anzuschauen, nur kurz irgendeinen Ring aussuchen, weil der soll ja eigentlich eh nur schlicht sein. Und das Kleid? Das ist ja sowieso wurscht. Dachtet ihr. Weil egal, wie locker ihr seid in Bezug auf eure Hochzeit, ihr unterschätzt den Wahnsinn, der hinter jeder Tür zu Brautmodengeschäften lauert.

Ich hab mich in sechs verschiedene Brautmodenläden gewagt, bin sogar einmal nach Wels gefahren, um dort die angeblich besten und tollsten Kleider zu probieren. Nach dem ersten Geschäft war ich überrascht, nach dem zweiten verstört und dann erstaunt, empört und zwischendurch auch mal resigniert. Und weil es gar so schön ist, was man so zu hören bekommt, hab ich meine persönlichen Highlights gesammelt und möchte sie euch nicht vorenthalten.

„Ich würde mich gerne wegen eines Brautkleides umschauen.“ – „Dafür brauchen Sie einen Termin.“
Ist tatsächlich so. Auch wenn man am Ende vielleicht nur eine kurze Runde im Geschäft dreht und feststellt, dass einem überhaupt nichts gefällt – ohne Termin geht normalerweise gar nichts.

„Ich würde gern ein wadenlanges Kleid probieren.“ „Das können Sie schon machen, aber das ist eigentlich nicht richtig. Jedes Brautkleid ist bodenlang!“
Aha! Wieder was gelernt.

„Ich möchte auch kein Kleid mit Schleppe.“ – „Jedes Brautkleid muss eine Schleppe haben!“
Eigene Meinung nicht erwünscht!

„Also vom Schnitt her würd ich mir vorstellen …“ – „Ich weiß schon, die kaschierenden Kleider sind dort drüben.“
WENN ICH WIE EINE KNACKWURSCHT AUSSEHEN WILL, DARF ICH DAS!

„Ohne Reifrock geht mal gar nichts.“
Challenge accepted!

„Sie haben keine Brautjungfern? Aber wie ziehen Sie dann ihr Brautkleid an?“
Zauberei, schätze ich.

„Hier ist ein Waschlappen, bitte wischen Sie sich damit die Achseln ab, damit Ihr Deo keine Flecken auf dem Kleid hinterlässt.“
Keine Worte.

„Sie dürfen kein Foto von dem Kleid machen!“
Danke, auf Wiedersehen. Ich versteh noch immer nicht, was am Fotografieren so dramatisch ist. Ich weiß schon, dass die Brautmodenläden vermeiden wollen, dass man sich ein Kleid nachschneiden lässt, aber a. sind Fotos der Kleider sowieso online abrufbar und b. find ich’s auch recht respektlos den Kundinnen gegenüber.

Fündig geworden bin ich dann übrigens bei Flossmann. Und bin ziemlich froh, dass die Suche damit ein Ende hat.

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