Meine Schwester hat Angst, dass ich sterbe, ich hatte aber nie vor, dem Krebs das Feld zu räumen

Meine Schwester hat ein paar Gedanken über Ihre Krebserkrankung aufgeschrieben.

Ich habe den Blogeintrag gelesen und mir gedacht, na wumm, so sehr nimmt das meine Schwester mit, so negativ sieht sie das?

Ich weiß, ich habe Brustkrebs. Ich weiß, dass der Typ von Krebs langfristig – ohne Behandlung – nach meinem Leben trachtet. Aber ich war mein bisheriges Leben eine gesunde, unerschütterlich optimistische und mein Leben liebende 43 jährige Frau – ich dachte gar nicht daran zu sterben und das ist immer noch so.

Für mich stand von Anfang an fest, dass ich die 8 Chemotherapien durchstehe, mich danach einer Operation unterziehe und mitunter noch eine Bestrahlung folgt. Ich habe mich bewusst auf meine Genesung eingelassen und meinen Teil dazu beigetragen. So habe ich mich z.B. vom Berufsleben zurückgezogen (und ich bin eine Arbeitsbiene!), dank einer festen Anstellung war mir das möglich und ich habe mich ganz mir gewidmet.

Die Aussage einer Bekannten, dass ich das nächste Jahr vergessen kann, hat dazu geführt, dass ich genau das Gegenteil erreichen wollte. Ich dachte mir, na sicher nicht werde ich ein Jahr meines Lebens der Sinnlosigkeit hingeben (auch wenn ich 90 Jahre alt werde!). Wie soll ich überhaupt im Vorhinein ein Jahr vergessen? Soll ich mich ins Koma legen lassen? Wie lebt man nicht? Unabhängig davon habe ich recht quirlige zehnjährige männliche Zwillinge, die dieses Schuljahr ihr Debüt im Gymnasium hatten, ich habe einen Ehemann, einen Haushalt, ich habe viele Interessen …

Also was kann ich jetzt nach 8 Chemotherapien und 5 ½ Monaten erzählen? Dass es zu schaffen ist, dass ich für mich entschieden haben, dass es kein Jahr wird, dass ich vergessen kann, dass ich bewusst das für mich Positive an der Situation sehe, dass ich Zeit hatte, mich meinen Schwächen wie Ungeduld und mangelnder Ausdauer zu stellen, dass ich lernen durfte, mein bisheriges Leben zu schätzen, dass ich gelernt habe, den Luxus Wohlbefinden zu schätzen, dass ich viele längst vergessen geglaubte Interessen und Fähigkeiten wieder entdeckt habe, dass ein Spaziergang an einem sonnigen Wintertag genügt um mir zu zeigen, wie sehr ich dieses Leben liebe, dass ich endlich in Zeiten fehlenden Wohlbefindens erfahren habe, wozu Mediation und Visualisierung gut ist sind.

Es gibt wirklich viele, viele Erfahrungen und Erkenntnisse, die ich für mich gewonnen habe.

Chemotherapie hilft, die Krebszellen zu töten und damit meinem Körper, wieder gesund zu werden. Mit dieser Einstellung habe ich mich bei jeder Chemo hingesetzt und die Mittel in meinen Körper laufen lassen. Natürlich haben sie Nebenwirkungen, aber ich hatte zu keiner Zeit wirkliche Schmerzen. Es ist das Fehlen von Wohlbefinden, mit dem ich am Anfang zu kämpfen hatte. Mit der Zeit lerne ich damit umzugehen und dank Meditation und Visualisierung konnte ich auch in unangenehmen Situationen gut mit Unwohlsein umgehen. Ich habe auch gelernt, dass jede Nebenwirkung vergeht und es mir dann wieder gut ging! Es ist herrlich, wenn einem nach ein paar Tagen Nebenwirkung die Energie wieder einfährt, der Kopf nur so vor Ideen sprudelt, ich wieder Pläne schmiede – das ist ein Hochgefühl, das kannte ich davor nicht. Nach jedem Tief kommt ein Hoch, auch wenn diese Aussage platt klingt.

Ich habe nie daran gezweifelt, dass ich die 8 Chemos durchstehe, auch wenn es Momente der Verzweiflung gab. Verzweiflung tauchte auf, weil ich natürlich vor der Warum ich Frage stand und am liebsten mein „altes“ Leben ohne Krebs wieder haben wollte.

Aber ich habe so viel an Erkenntnissen gewonnen, ich habe die Chemotherapie körperlich überstanden – und über die Regenerationsfähigkeit meines Körpers habe ich nicht nur einmal gestaunt – ich habe gelernt, dass ich mich auf meinen Körper verlassen kann, ich habe die Chemotherapie auch seelisch gut überstanden, ich habe die Geduld bewiesen und jeden Tag bewusst wahrgenommen.

Ich weiss, dass jede Genesung oder jede Behandlung anders verläuft und ich kann daher nur aus meiner Erfahrung sprechen.

Bei mir hat, wie schon erwähnt, die Aussage „das nächste Jahr kannst du vergessen“ ganz bewusst zu der Entscheidung geführt, die Momente, in denen es mir gut geht, bewusst zu genießen und auch ganz bewusst im Jetzt zu sein.

Als nächstes wird mir das Karzinom operativ entfernt und dann werde ich noch bestrahlt.

Ich wünsche allen, die in einer ähnlichen Situation sind, viel Kraft und Energie!

In der Zeit der Chemos habe ich in einem Schaufenster einen Spruch entdeckt, der für mich recht passend war: „Wenn dich der Mut verlassen hat, geh einfach alleine weiter.“

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There are 2 comments for this article
  1. Tanja at 18:29

    Wunderbarer, Mut machender Artikel, mit vielen Wahrheiten. Chapeau. Und die aller aller aller aller aller aller aller besten Wünsche für die kommenden Herausforderungen. Bald sind sie überstanden!

  2. younkers credit card at 18:28

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