mokant hat Geburtstag

Juhu, mokant hat Geburtstag! Kaum zu glauben, dass das Nachfolge-Magazin von CHiLLi.cc schon sechs Jahre alt ist. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als Stefan, Julia, Christian und ich damals monatelang geplant, getüftelt, geschrieben und gewerkelt haben, um endlich loslegen zu können. Es war der blanke Irrsinn, sehr anstrengend – und hat sich SO gut und richtig angefühlt.

Sechs Jahre später gibt es mokant.at immer noch in altbekannter Form: mit den vier Ressorts Politik, Gesellschaft, Kultur und Musik; die Themenwahl und -aufbereitung recht ähnlich wie zu Beginn. Das Team hat sich natürlich stark verändert, abgesehen von der Chefredakteurin Sofia kenne ich kaum jemanden mehr. Optisch hat sich mokant vor einiger Zeit einen Relaunch gegönnt, der nicht meinen persönlichen Geschmack trifft, aber zumindest wesentlich moderner ist als das vorige Design.

Lese ich mokant.at noch? Unregelmäßig. Es gibt Geschichten, die ich spannend finde, und andere, die ich gar nicht mag. Die Sache ist die: Ich kann nicht als normale Leserin mokant.at lesen. Ich hinterfrage immer den Ansatz, schau mir das verwendete Bildmaterial ganz genau an, den Aufbau, die Wahl der InterviewpartnerInnen. Ich bin überkritisch.

Anlässlich des sechsten Geburtstags von mokant wurde ich gefragt, ob ich ein paar Fragen beantworten könnte, was ich sehr gerne gemacht habe. Heute Abend findet die Geburtstagsfeier von mokant statt, auf die ich mich sehr freue. Diese Dinge waren Anlass für mich, mir wieder einmal über mokant Gedanken zu machen. Hier die Punkte, die für mich am wesentlichsten sind.

  • Journalistische Spielwiese: Ich halte mokant.at nach wie vor für eine gute journalistische Spielwiese, eine Möglichkeit für den Start in den Journalismus für junge Menschen. In den vergangenen Jahren haben bestimmt an die hundert junge Menschen journalistische Erfahrungen gesammelt, gelernt, wie ein Online-Medium funktioniert (mit all seinen Vor- und Nachteilen) und der eine oder andere hat seinen beruflichen Weg entsprechend eingeschlagen. Das freut sehr und macht mich schon sehr stolz. Ich habe so viel über Journalismus, Medienmachen, Politik und Öffentlichkeit bei CHiLLi und später bei mokant gelernt. Diese Erfahrungen waren für mich sehr wertvoll.
  • Profil-Schärfung: Was in meinen Augen eine super Chance wäre, um mokant weiterzuentwickeln: das eigene Profil zu schärfen. neuwal macht es für den Bereich Politik sehr gut vor, finde ich. neuwal schafft es mit Kooperationen, guten Inhalten, Statistiken und aktuellen Themen eine wichtige Anlaufstelle für politische Themen zu sein. Bei mokant fehlt diese Schärfung ein bisschen, die Themen sind recht breit gestreut. Wir haben schon vor Jahren darüber diskutiert, die Themenfelder etwas präziser zu gestalten, aber bis heute ist die große Themenvielfalt erhalten geblieben, die natürlich auch Vorteile bietet und die breit gestreuten Interessen der RedakteurInnen abbildet. Dafür fehlt halt dann das Alleinstellungsmerkmal.
  • Team: Ein weiteres Problem bei Freien Medien: die hohe Fluktuation, zu einem großen Teil begründet in der finanziellen Situation der Medien. Wer nichts bezahlen kann, kann keine regelmäßige Mitarbeit verlangen. Wer sein Leben finanzieren muss, kann die Mitarbeit an Freien Medien maximal als Hobby betreiben. Für viele ist daher spätestens nach dem Studium Schluss. mokant scheint dieses Problem, wenn man sich die Team-Seite ansieht, derzeit nicht in allzu großem Ausmaß zu haben, was sehr erfreulich ist. Manchmal gleicht das Aufbauen und Wieder-Gehen-Lassen-Müssen von RedakteurInnen einer Sisyphus-Arbeit.
  • Finanzierung: Womit wir schon beim leidigen Thema wären: die Finanzierung. Ich hab darüber geschrieben und diskutiert, mir andere Meinungen angehört und mir, wie so viele andere auch, den Kopf zerbrochen. Es gibt momentan für so eine Art von Medium scheinbar keine gute Lösung. Schon gar nicht wenn das Budget für die Bezahlung der RedakteurInnen, FotografInnen und anderer MitarbeiterInnen reichen soll. Ich sehe in absehbarer Zeit keine Lösung für dieses Problem. mokant hat in den vergangenen Jahren einige Dinge versucht (z.B. eine Journalismus-Akademie und ein Crowdfunding-Projekt), aber ein richtiges Geschäftsmodell konnte noch nicht gefunden werden.

Das Schöne ist, dass es nach wie vor engagierte, junge Menschen gibt, die bei Medien wie mokant einfach mitmachen. Ihre Freizeit investieren. Die Chance nutzen und vieles lernen, Kontakte knüpfen, ihre Zukunft planen. Das soll bitte noch lange, lange Zeit so bleiben. Bleib so super, mokant! Versuch weiterhin, noch superer zu werden und hört nicht auf damit, alles zu hinterfragen. Heute Abend stoßen wir auf die nächsten sechs Jahre an.

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