So cool bist du nicht

Sie ist weit verbreitet, die Spezies Mensch, die regelmäßig den Drang verspürt, ihre Vielbeschäftigung, Verplantheit und Auslastung zur Schau zu stellen. Da wird erzählt, wie schlimm es mit diesem einen Kunden ist, dort wird eine Terminkollision bejammert und dann wird wiederum betont, wie SUPERbeschäftigt man doch ist. Immer am Smartphone hängen. Nur noch kurz eine Mail tippen. Zu spät zum vereinbarten Treffpunkt kommen. Dem Gegenüber zuhören? Zu viel verlangt. Ganz zu schweigen davon, sich vielleicht in Selbiges hineinzuversetzen – und feststellen, dass man sich eigentlich gerade ziemlich unhöflich verhält.

Stellt euch vor – wir arbeiten alle! Wir bringen tagtäglich Arbeit, Hobbies, Freunde, Familie und sonstige Dinge wie Hochzeit, Hausbau, Umzug unter einen Hut. Die meisten von uns schaffen das, mit ein bisschen Jammern und ein wenig Gerede darüber alles hinzukriegen. Andere wiederum baden förmlich in ihrer Busy-ness. „Da schau, wie voll mein Terminkalender ist!“, „Ich muss dann los, mein Kunde braucht mich!“, „Das sind die To Dos, die ich heute abarbeiten muss“, „Ich hab nur 4 Stunden geschlafen aber hey, für meinen Job mach ich das gerne“.

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Das ist selbstausbeuterisch und eigentlich ziemlich dumm. Warum seid ihr so stolz drauf, wenn euer Terminkalender voller Überschneidungen ist und ihr deshalb Verabredungen kurzfristig absagt oder einfach nicht auftaucht? Warum genießt ihr es, mit dem Laptop zum Afterwork zu kommen und dort dann Mails zu tippen und alle Anwesenden in eure Arbeit miteinzubeziehen? Denkt ihr, ihr seid die einzigen, die arbeiten? Gerade in der Werbebranche ist das ein Phänomen, das mich immer wieder erstaunt. Teilweise verdient ihr wirklich wenig für All-In-Verträge, die in der Realität 50 Wochenstunden und mehr bedeuten, und dann opfert ihr noch all unsere Freizeit und das Wochenende dafür, riskiert Freundschaften und nervt eure Mitmenschen damit? Warum genau?

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So interessant ist es nicht, was ihr macht, dass wir es im Detail immer und immer wieder hören möchten. Und stellt euch vor, die meisten von uns arbeiten in einem recht ähnlichen Bereich und wissen, was Kundenarbeit bedeutet. Ihr müsst es nicht so raushängen lassen. Und wenn es euch so nervt, wie ihr teilweise immer tut – warum macht ihr es dann?

Meine Theorie ist ja, dass ihr einfach überfordert seid und euch deshalb hinter dieser Maske der Coolness versteckt. Das Spannende ist ja: viele von uns haben eine Wahl. Es ist nicht so, als würden unsere Leben von einer Kundenmail abhängen. Es gibt rechtlichen Schutz für ArbeitnehmerInnen, es gibt Wochenenden, Urlaub, Freizeit. Wenn ihr euch bewusst dagegen entscheidet, keinen Feierabend kennt, im Urlaub arbeitet und immer erreichbar seid, dann seid ihr schon auch selbst schuld. Dann habt ihr es euch bewusst so ausgesucht. Das ist schön für euch, wenn das so passt – aber dann macht es einfach und verschont eure Mitmenschen.

Die Wahrheit ist: so cool seid ihr nicht. Ihr seid eigentlich nur unhöflich und unzuverlässig. Das ist nichts, worauf man stolz sein müsste.

Oder, wie ich immer wieder gern sage: Mach was du willst, aber geh deinen Mitmenschen nicht am Arsch damit.

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