Tschüss, Brille!

Vergangenen Freitag hatte ich meine Abschlussuntersuchung beim Augenarzt nach meiner Laser-OP im März. Nach einem halben Jahr „kann man gar nicht besser sehen“, wenn ich meinem Arzt glauben darf, und ich bin sehr, sehr froh, dass alles so gut abgelaufen ist.

Ich habe mit vielen Menschen in meiner Umgebung darüber gesprochen und viele Fragen beantwortet, deshalb dachte ich, ich fasse alle interessanten Infos zu dem Thema in einem Blogbeitrag zusammen.
(Ich bin natürlich keine Ärztin und kann nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten.)

Fakten

Ich habe schon seit einigen Jahren mit dem Gedanken gespielt, mir die Augen lasern zu lassen. Ich war stark kurzsichtig – 7 Dioptrien zu haben bedeutet, immer auf eine Sehhilfe angewiesen zu sein und ohne Brille an der Kreuzung nichtmal sehen zu können, welche Farbe die Ampel gegenüber anzeigt.
Ich vertrage mittlerweile auch keine Kontaktlinsen mehr, was mich dann trotz Brillenliebe sehr genervt hat. Auf Parties und beim Sport ist es schon fein, keine Brille tragen zu müssen. Deshalb habe ich mich im Winter bei einem Kontrolltermin beim Augenarzt mal erkundigt, ob das denn bei mir überhaupt möglich ist und wie das denn so wird. Mein Augenarzt hat mir dann einen Spezialisten empfohlen, bei dem ich kurz darauf einen Termin bekam.

Es stellte sich raus: Die Voraussetzungen waren gut für den Eingriff, meine Sehschwäche war in den vergangenen beiden Jahren nicht mehr schlimmer geworden (wenn doch, kann man dennoch lasern lassen – nur besteht dann doch die Gefahr, dass man doch wieder kurzsichtig wird) und der Zeitpunkt war auch ideal. So ein Eingriff sollte eher in der kälteren Jahreszeit vorgenommen werden. Ich hab zuerst nicht verstanden, warum das so ist, aber jetzt kann ich nur sagen: Macht. es. nicht. im Sommer. Das Sonnenlicht tut SO weh in den ersten Tagen.

Billig war die Sache nicht – ich habe 4.000 Euro für beide Augen bezahlt, dazu kommen noch die Kosten für viele unterschiedliche Augentropfen und Medikamente. (Inkludiert waren viele Nachuntersuchungen und auch Nachlasern wäre im Preis inbegriffen, falls ein Eingriff nicht ausgereicht hätte.) Man kriegt die Operation auch billiger – viele fahren z.B. nach Ungarn dafür. Ich hab mich bewusst dagegen entschieden weil ich erstens nicht vor und nach so einem Eingriff herumfahren wollte und ich mich auch sicherer fühle wenn ich weiß, dass mein Arzt in der Nähe ist im Notfall. Dafür zahl ich dann gern etwas mehr. Der Preis hängt natürlich auch ab von der eingesetzten Methode. Bei mir wurde eine Form der LASEK-Behandlung durchgeführt.

Vorstellen kann man sich das so: man bekommt eine örtliche Betäubung in Form von Augentropfen, dann werden die Augenlider mit einem Lidhalter offen gehalten. Dann kommt der Laser ins Spiel, was ein bisschen gruselig ist, weil es plötzlich verbrannt riecht (weil der Laser ja Schichten der Hornhaut wegbrennt. Brrrr.) Anschließend kommt eine Kontaktlinse als Schutz drauf, damit man beim Zwinkern nicht jedes Mal am Wundrand ankommt, denn das würde wehtun.

Der ganze Spaß dauert 10 Minuten, dann wird man auch schon in die Freiheit entlassen. Wichtig: alleine würde ich nach so einem Eingriff auf keinen Fall heimfahren oder -gehen. Am besten lässt man sich abholen oder nimmt ein Taxi.

Man sieht eigentlich sofort scharf – das Problem ist nur, dass das Auge tränt. Dass es zu schmerzen beginnt. Und dass jeder Lichtstrahl entsetzlich ist. Das heißt: Schlafzimmer abdunkeln, erstmal nichts aufs Handy schauen und im Dunkeln aufs Klo gehen. Die folgenden 48 Stunden sind sehr, sehr mühsam: Schmerzen, alle 2 Stunden eintropfen, tränende, verklebte Augen, Müdigkeit. Spaß hat das keinen gemacht. Das klingt rückblickend jetzt gar nicht mehr soooo schlimm, aber es war wirklich elend. Es hat ziemlich an den Nerven gezehrt.

Die Schmerzen hören nach zwei Tagen plötzlich auf, dann wird es sehr schnell sehr viel besser. Die Kontaktlinsen kommen raus, die Hornhaut-Wunde verheilt. Dann kam das, von dem ich wusste, dass es passieren wird, aber auf dass ich trotzdem unvorbereitet war: Denn die Augen werden nicht jeden Tag ein bisschen besser, sondern man sieht mal ausgezeichnet, dann wieder nicht. Dann geht es wieder ein bisschen besser. Es ist nicht so, dass man zwischendurch wieder 7 Dioptrien hat, aber es ist einfach – unscharf. Ungleichmäßig. Und eben nicht immer gleich. Das nagt an den Nerven. Ein paar Wochen lang war es wirklich schwierig, ruhig zu bleiben. Man kann sich plötzlich nicht mehr auf dieses wichtige Sinnesorgan verlassen, man kann nichts tun, außer die Augentropfen weiter zu verwenden und drauf zu vertrauen, dass alles gut wird. Das war eine große psychische Belastung, die ich nicht hatte kommen sehen. Insofern versteh ich jetzt, warum einem dazu geraten wird, sich für solche Dinge Urlaub zu nehmen.

Aber es wurde besser. Langsam, aber sicher. Ein paar hysterische Anfälle später haben sich die Augen und ich an das neue Lebensgefühl gewöhnt. Manchmal will ich abends noch immer die Brille auf den Nachttisch legen, so wie in den letzten 25 Jahren. Ab und zu greif ich mir noch ins Gesicht um die Brille zurechtzurücken. Schon beeindruckend, wie unbewusst diese Handgriffe passieren.

Vorteile
Die Vorteile der Laser-OP liegen auf der Hand: keine Brille mehr tragen. Aber auch: diese 0 Dioptrien, die ich jetzt habe, werden sehr wahrscheinlich auch 0 Dioptrien bleiben. (Altersweitsicht kann sich leider trotzdem einstellen. Dagegen kann man nichts machen.) Langfristig betrachtet ist es vermutlich auch billiger, einmal die Kosten für den Eingriff zu tragen und sich dafür in Zukunft Brillen, Kontaktlinsen & Co zu ersparen.

Nachteile
Nachteile des Eingriffs fallen mir eigentlich nur zwei ein: die lange Genesungszeit (wobei ich hier eher die psychische Belastung meine; körperlich ist man recht schnell wieder auf den Beinen) und die Trockenheit der Augen. Nach einem halben Jahr hat es sich langsam eingependelt, aber meine Augen sich noch viel trockener als sie es davor schon waren. Klimaanlagen hab ich diesen Sommer nur sehr schlecht vertragen, ich hoffe, dass sich das weiter bessern wird. Ich hab in 6 Monaten 10 Flaschen HyloComod (das sind die Tropfen zum Befeuchten der Augen) verbraucht und hab eigentlich immer eine Packung in meiner Handtasche. (Genauso wie eine Sonnenbrille – Sonnenlicht ist nämlich ganz, ganz böse für die Augen. Sagt mein Augenarzt.)

Fazit
Wenn man mich drei Tage nach dem Eingriff gefragt hätte, ob ich es nochmal tun würde, hätte ich ganz laut NEIN!! geschrien. Spaziergang ist es nämlich wirklich keiner. Mittlerweile sieht die Sache natürlich anders aus. Ich bin froh, dass ich das überstanden hab, und besonders froh war ich natürlich vergangenen Freitag, als die Nachbehandlung auch endgültig für abgeschlossen erklärt wurde.

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