Zwischen Ausbildung und Ausbeutung

Zwischen Ausbildung und Ausbeutung

Vor ein paar Tagen ist in der Facebook-Gruppe „JungjournalistInnen Österreich“ ein Thema aufgekommen, das mich schon seit einigen Jahren begleitet: Das Problem ehrenamtlicher Mitarbeit bei Freien Medien. Konkret ging es darum, dass mokant.at derzeit wieder RedakteurInnen sucht. Daraufhin wurde die Kritik geäußert, dass professioneller Journalismus bezahlt werden sollte. Eine Debatte, die durch die prekären Arbeitsverhältnisse Freier ORF-MitarbeiterInnen durch die Medien geistert, macht auch vor Freien Medien nicht halt. Trotzdem – man darf hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

FM Ehrenamtlichkeit

1. Natürlich bin ich auch Gegnerin der Ausbeutung Freier JournalistInnen, halte deren teilweise prekären Arbeitsverhältnisse für untragbar und unterstütze die Forderungen der ORF-Freien und der paroli-Redaktion voll und ganz. Unbezahlte Praktika in großen (Medien-)Betrieben empfinde ich als Hohn, Lehrredaktionsplätze, für die sogar bezahlt werden muss, als noch größere Frechheit.

2. Dennoch ist zu differenzieren: Freie Medien wie mokant.at, subtext.at und fm5.at beruhen in der Regel auf dem Prinzip der Ehrenamtlichkeit. Das bedeutet, dass hier niemand regelmäßig Geld sieht. Ich habe in meiner Zeit bei CHiLLi.cc als Redakteurin ein einziges Mal Geld bekommen – weil ich für einen Monat ein Praktikum absolviert habe und dieses beim Kuratorium für Journalismus-Ausbildung einreichen konnte.  Dies haben wir bei mokant.at den RedakteurInnen dann auch angeboten, allerdings handelt es sich hierbei um eine einmalige Möglichkeit. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich damals knapp 500 Euro erhalten. Kein Betrag, von dem man leben kann.

3. Was man nicht vergessen darf: Bei Freien Medien arbeiten junge Medienschaffende, die durchaus Talent, Interesse und Engagement mitbringen, um ihre Zeit dem Medium zu widmen. Aber als klassische „Ausbildungsstätte“ in Sachen Journalismus sind solche Projekte natürlich nicht zu verstehen, weshalb ich selbst die Formulierung „Praxis-Ausbildung“ in der erwähnten Ausschreibung für eher problematisch halte. Redaktionen Freier Medien ziehen teilweise schon auch Menschen an, die eher weniger mit Journalismus am Hut haben und die eine Weile „mitgetragen“ werden, bis sie meist nach kurzer Zeit wieder abspringen. Das ist natürlich legitim, allerdings fehlen ja in einem ehrenamtlichen Umfeld oft die Zeit und die Ressourcen, um eine ausreichende Schulung (von „Ausbildung“ würde ich in dem Zusammenhang ja überhaupt nicht sprechen) zu garantieren. Theoretisch gäbe es entsprechende Strukturen: Redigat, Lektorat, Einschulungen etc.pp. In der Praxis gibt es das aber schlicht und einfach nur selten. Dementsprechend sollte man die Kirche im Dorf lassen. Das journalistische „Handwerk“ lässt sich schon erlernen, aber dadurch zeichnen sich Freie Medien nicht unbedingt aus. Sie bieten vielmehr die Möglichkeit, mit journalistischen Strukturen in Kontakt zu kommen, ein Bewusstsein für Themen (unabhängig von wirtschaftlichen und politischen Institutionen, Betrieben oder Organisationen) zu schaffen, Kontakte zu Pressestellen, Medien und JournalistInnen aufzubauen und eine Plattform zur Verfügung gestellt zu bekommen, deren Name in der Medienwelt doch mehr Gewicht hat als die meisten Blogs von Einzelpersonen. (soll nicht arrogant klingen, sondern vielmehr heißen: Akkreditierenden und Interviews bekomme ich als Redakteurin eines Mediums durchaus leichter als als Bloggerin. Ein Bela-B.-Interview wäre nie zustande gekommen, wenn ich als Bloggerin angefragt hätte. Bei PolitikerInnen-Interviews oder Festivalakkreditierungen sieht es ähnlich aus.)

Ein weiterer Punkt, der nicht vergessen werden darf: zwar gibt es redaktionelle Strukturen bei Freien Medien, allerdings wird niemand gezwungen, eine gewisse Zahl von Artikeln abzuliefern oder an Redaktionssitzungen teilzunehmen. Für viele ist es einfach eine nette Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen und die Arbeit in einer Redaktion kennen zu lernen. Die Arbeitszeit von RedakteurInnen ohne zusätzlicher Funktion (Redigat, Management) bleibt im überschaubaren Bereich, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Und wer mal keine Lust hat, kann ganz offen sagen, dass er/sie eine Auszeit braucht. Dadurch entsteht eine hohe Fluktuation, was die Arbeit zusätzlich erschwert.

4. Das Problem der Finanzierung trifft ja nicht nur klassisch-kommerziell orientierte Medien. Was Freien Medien leider oft fehlt, ist eine personelle Basis, die breit aufgestellt ist. Konkret meine ich: Es melden sich vor allem junge Menschen, die redaktionell mitarbeiten möchten. Was es allerdings zusätzlich braucht, sind Personen mit Know-How in den Bereichen Marketing, PR etc. Jedes Start-Up überlegt sich (hoffentlich), welches Finanzierungs-Modell zur jeweiligen Idee passen könnte. Das steht meiner Erfahrung nach bei Freien Medien nur selten im Vordergrund. Projekte wie Dossier und Krautreporter sind ein wichtiger Anfang, um die Finanzierung journalistischer Projekte zu gewährleisten, aber zu solchen Initiativen fehlt noch ganz stark die nötige Vernetzung. Dabei würde es ja oft reichen, ehemalige RedakteurInnen, die inzwischen in PR, Journalismus oder in gänzlich anderen Bereichen tätig sind, um Unterstützung zu bitten. Und sei es nur in Form eines Social-Media-Workshops, um die Redaktion dementsprechend fit zu machen, oder nötige Kontakte zu relevanten Institutionen, die junge Projekte unterstützen möchten. Solche Kooperationen sind mir leider noch viel zu selten untergekommen, was sehr schade ist.

Querfinanzierung durch zusätzliche Projekte ist natürlich immer eine gute Sache. Doch hier gilt es zu bedenken: Die Organisation von Festen (wie von fm5 oder junQ betrieben) ist aufwändig und braucht Menschen, die Ahnung von Veranstaltungsmanagement haben und dann ja auch wiederum entlohnt werden möchten. Förderungen für Online-Journalismus gibt es in Österreich schlichtweg nicht. Die Jugendpresse Österreich ist in Sachen EU-Jugend-Förderungen recht fit, hier gibt es sicherlich Anknüpfungspunkte, die halt einfach genutzt werden müssten. Womit wir wiederum beim anfänglichen Problem stehen: jede solcher zusätzlichen Aufgaben bedeutet Zeit- und Personenaufwand. Redaktionen Freier Medien sind oft allein mit der täglichen Redaktionsarbeit ausgelastet.

Ich halte die Debatte um gerechte Bezahlung von JournalistInnen angesichts der derzeitigen Arbeitsbedingungen Freier RedakteurInnen für absolut notwendig. Dieses Problem auf Freie Medien runterzubrechen ist meines Erachtens jedoch falsch, da die Intention dahinter schlichtweg eine andere ist. Freie Medien können als Sprungbrett in den Journalismus dienen, als Plattform, um die eigenen Interessen zu verfolgen und deren vorhandene Strukturen persönlich zu nutzen.

Foto: Michaela Wein

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There are 7 comments for this article
  1. Tina Goebel at 13:40

    Liebe Michaela,

    du hast sehr schön die Diskrepanz unbezahlter journalistischer Arbeit aufgezeigt. Ich persönlich habe in meiner Zeit bei CHiLLi extrem viel gelernt und habe dadurch recht schnell ein „professionelles“ Niveau erreicht, durch das es leichter wird, auch bezahlte Jobs im Journalismus zu bekommen. Und wir wissen ja beide, dass viele, die sich bei CHiLLi sehr engagiert haben, ebenso davon profitiert haben.

    Die „unbezahlte“ Arbeit war eine sehr praxisnahe und intensive Ausbildung, wer nur kurz bei CHiLLi war – und sich dementsprechend engagiert hat – war manchmal nach kurzer Zeit mindestens so gut oder gar besser, als so manche Absolventen einer Journalismus-Fachhochschule. Das kann ich voller überzeugung sagen, schließlich habe ich ja selbst schon einige Praktikanten erlebt/betreut.

    Ich persönlich habe nichts gegen unbezahlte Praktika – ein unerfahrener Praktikant bedeutet ja meist mehr Arbeit, als das er Leistung bringt. Die Erfahrung, in einer Redaktion mitarbeiten zu können, ist unbezahlbar und wer es geschickt anstellt, der wird weiterhin als freier Autor weiter engagiert, oder kann sich zumindest ein wichtiges berufliches Netzwerk aufbauen, auf das er auch nachträglich bauen kann. Nur leider nutzen die meisten diese Chance nicht.

    Die Erfahrung, die ich persönlich gemacht habe ist, dass meist die Leute, die am lautesten danach schreien, dass Praktika bezahlt gehören und sich schnell ausgebeutet fühlen, genau jene sind, die noch am meisten zu lernen hätten.

    Wir beide haben ja viele erlebt: Bewerber, die sich beim ersten Treffen als Edelfeder präsentieren und mit Erfahrung prahlen – sich dann jedoch als Publizistik-Studenten im X-ten Semester entpuppen, die keine Ahnung von Recherche, Interviewführung ec. haben und oftmals schon Schwierigkeiten damit haben, unfallfrei einen Satz zu Papier zu bringen.

    Und wie oft erleben wir, mir welchen falschen Vorstellungen junge Leute in die Redaktion kommen? Manche glauben, wir hätten ein Leben wie Carry Bradshaw und würden von einer Kolumne monatlich so viel verdienen, dass man sich jeden Monat mit neuen Markenklamotten einkleiden kann? Andere glauben, dass sie als Praktikant im Außenpolitik-Ressort auf Redaktionskosten um die Welt jetten – und sind dann tief enttäuscht, wenn sie erfahren, dass diese Arbeit vorwiegend am Telefon stattfindet.

    Und oft sind gerade diese in der Ausbildung besonders „beratungsresistent“. Wie haben wir uns mit Leuten abgemüht, die ihre Texte gar nicht, oder nur spät und in erbärmlicher Qualität abliefern, so dass es oft einfacher gewesen wäre, den Text gleich selbst neu zu schreiben? Und oft waren es genau diese, die mit (dann eigentlich unseren) Texten schnell hausieren gingen und mit CHiLLi im Lebenslauf recht schnell interessante Praktika oder gar Jobs erhielten.

    Und wie oft erleben wir, mir welchen falschen Vorstellungen junge Leute in die Redaktion kommen? Manche glauben, wir hätten ein Leben wie Carry Bradshaw und würden von einer Kolumne monatlich so viel verdienen, dass man sich jeden Monat mit neuen Markenklamotten einkleiden kann? Andere glauben, dass sie als Praktikant im Außenpolitik-Ressort auf Redaktionskosten um die Welt jetten – und sind dann tief enttäuscht, wenn sie erfahren, dass diese Arbeit vorwiegend am Telefon stattfindet.

    Mein Fazit: Ja, es ist einerseits ist es ein Dilemma, dass es keine bezahlten Praktika und Ausbildungsplätze gibt, beziehungesweise manche Redaktionen überhaupt keine Praktikanten mehr aufnehmen, weil eben die Gewerkschaft eine adäquate Entlohnung fordert und das viele Redaktionen alleine aufgrund der bereits geannten Kosten/Nutzen-Rechnung gleich sein lassen.

    Andererseits trennt sich hier auch schnell die Spreu vom Weizen. Engagierte Jungjournalisten sind meist froh, über jegliche Möglichkeit, in einer professionellen Redaktion mitwirken zu können, lernen schnell und erreichen oft zügig ein Niveau, das ihnen – trotz der brenzeligen Lage des Journalismis in Österreich generell – den Einstieg in den Beruf leicht ermöglicht.

    Das journalistische Werkzeug und das Schreiben an sich sind Qualifikationen, die meist in einem langwierigem Prozess erworben werden müssen und ohnehin mindestens zwei Jahre an intensiver Erfahrung bedürfen – das ist jedenfalls meine ganz persönliche Meinung. Nur leider wollen manche nicht einsehen, dass dieser Weg auch hart, steinig und mühsam sein kann. Es wundert mich nicht, dass immer mehr der Studierenden von Journalismus- oder Medien Fachhochschulen, die manchmal durch unser Haus geführt werden, erklären, dass sie ohnehin in die Werbung und PR wollen. Dort ist alles einfacher und ohnehin sei dort mehr Geld zu holen, so die vorherrschende Meinung. Das es in der Realität anders aussieht, darauf sollen sie bitte selbst kommen.

    Und um diesen Text mit einem Zitat von Peter Michael Lingens abzuschließen, der einmal ebenso kopfschüttelnd meinte: „Am liebsten wäre ihnen wohl gleich ein eigenes Lobbyismus-Studium.“

  2. Raphael Schön at 14:46

    Ich finde die Trennung zwischen Freien Medien, Blogs und klassischen Medienhäusern etwas problematisch. Die Grenzen verschwimmen immer mehr und letztlich sind die Anforderungen an JournalistInnen die gleichen.

    Ich würde Medien eher in kommerziell oder nicht-kommerziell trennen, wobei man sich bei nicht-kommerziellen Medien fragen sollte – wie du auch schreibst – ob man nicht doch durch diverse Querfinanzierungsprojekte etwas Geld herbeischaffen kann.

    Ich finde es gut, dass bei Projekten wie mokant.at die Einstiegshürden gering sind und man – sofern man gut ist – mitmachen kann. Das Thema Bezahlung ist für junge JournalistInnen, die mit Leidenschaft dabei sind, sicher nicht der wichtigste Motivator. Meine Meinung ist mittlerweile aber trotzdem: Wer gut ist, kann vom Journalismus leben. Eine Anstellung in einer Redaktion, bei der man dann bis zur Pension sitzt, ist schon seit Jahren ein Wunschtraum, der für einige Wenige Realität wird.

    Bei uns kann zB. jeder und jede der gut ist, mitmachen und Artikel schreiben. Wir zahlen für Online- und Printartikel fair. Qualifikation ist mir mittlerweile egal, weil ich mit supertollen Journalismus-FH-Absolventen ähnliche Erfahrungen wie Tina und du gesammelt habe.

  3. Lena B. at 15:12

    Geringe Einstiegshürden? Lebenslauf, Probeartikel und Motivationsschreiben für eine ehrenamtliche, unbezahlte Mitarbeit?

  4. Raphael Schön at 17:17

    @Lena B.: Kannst es ja mal bei Standard, Presse & Co mit Lebenslauf und Probeartikel probieren.

  5. HG Eilenberger at 03:59

    @ Lena B.: Ehrenamtlicher Journalismus ist nicht gleichzusetzen mit Wald-und-Wiesen-Schreiberei. Lebenslauf, Motivationsschreiben und ein kurzer Probeartikel sind mE das absolute Minimum, wenn es darum geht, eine gewisse Qualität zu sichern. Und was bitteschön will jemand im Journalismus, der/die nicht imstande oder willens ist, in ein paar runden Zeilen zu formulieren, warum ihn/sie das Ganze überhaupt interessiert?

    Zum Vorwurf der Ausbeutung möchte ich noch einen Punkt hinzufügen: Klar, Medien wie mokant bringen (junge) Menschen zum Journalismus, liefern erste Einblicke, helfen beim Netzwerken und und und. Ich habe mokant allerdings nie als bloßes Personal-Pool für die großen Blätter betrachtet. Die RedakteurInnen von mokant arbeiten seit Jahren an einem Großprojekt, das nur durch ihren gemeinschaftlichen Einsatz noch lebendig ist.

    Ich wusste, ich werde für meine Ideen, die vielen Stunden Recherche, Bilder schneiden etc. nicht bezahlt. Das war mir aber nicht wichtig, weil ich die dafür die Möglichkeit bekam, meiner Kreativität freien Raum zu lassen. Ich bekam die Möglichkeit, zu etwas beizutragen, was relevant ist – etwas, das größer und lauter war als meine eigene Stimme. Sogenannte freie Medien sind für mich partizipativ, sind work in progress – wer sich engagiert, kann die Entwicklung mitgestalten. Was das betrifft, sind sie fundamental verschieden von großen kommerziellen Medien.

    Ausbeutung? Am ehesten kann man hier von Selbstausbeutung sprechen. Wer aber das böse Kapitalisten-Ungeheuer im Kopf hat, hat im Grunde nichts verstanden.

  6. michaela.wein Author at 13:29

    Danke dir für deinen Kommentar, Raphael.
    Die Trennung in kommerzielle bzw. nicht-kommerzielle Medien ist schwierig. Ich hab das Thema ja auch in meiner Magisterarbeit behandelt und bin zu keinem befriedigenden Ergebnis gekommen. Jedes Medium ist im Endeffekt wirtschaftlichen Gegebenheiten unterworfen. Daher halte ich die Bezeichnung „nicht-kommerzielle“ Medien für ebenso wenig passend wie „Freie Medien“.

    Zu deinem Satz „Wer gut ist, kann vom Journalismus leben.“ – Puh, da muss ich dir schon widersprechen. Ich glaube, dass du in deiner Position schon auch ziemlich Glück gehabt hast. Und wenn man als JournalistIn seiner Leidenschaft nachgehen möchte, ohne sich allzu sehr zu verbiegen, dann wird’s schwierig. Soll heißen: wenn man sich dem Qualitätsjournalismus verschrieben hat, gerne Reportagen schreibt oder aufwändige Themen behandelt, wird’s mitunter schon schwer, davon leben zu können. Man sieht’s ja bei den ORF-Freien: Die machen wahnsinnige Abstriche im Privatleben, um sich diese Art des Journalismus leisten zu können.

  7. michaela.wein Author at 13:43

    @ Lena B. Es hatte einen ganz simplen Grund, warum das Gründungsteam von mokant.at Lebenslauf, Motivationsschreiben und Probeartikel angefordert hat:
    Es melden sich zeitweise schon viele Leute und schreiben, dass sie mitmachen möchten, und das freut einen dann auch sehr. Allerdings gibt es viele BewerberInnen, die nur eine kurze Mail schreiben: „Hey, ich möchte mitmachen, passt das eh?“ – und dann lädt man sie zu einem Gespräch ein und stellt fest, dass die Erwartungen mit der Realität nicht wirklich zusammen passen. Ich habe es zB einmal erlebt, dass ich mich aufgrund einer solchen formlosen Mail mit einem Interessierten getroffen habe, der dann ein 40jähriger, Freier Journalist war und eigentlich auf Honorar gehofft hatte für die Ablieferung von Artikeln. Als er dann gehört hat, dass wir ein sehr junges Team sind, wollte er von sich aus schon nicht mehr mitmachen, weil es einfach nicht gepasst hat, alterstechnisch. Solche Dinge kann man ganz gut vermeiden, wenn man eine kurze Bewerbung einfordert.

    Lebenslauf – daraus geht deutlich hervor, was der/die Interessierte vorher gemacht hat, was ja nicht so uninteressant ist.

    Die Probeartikel sind ein ziemlich guter Test, um zu sehen, ob die Leute wirklich Interesse an einer Mitarbeit haben. Das Problem ist ja häufig die mangelnde Motivation bei RedakteurInnen. Häufig passiert es, dass „Neulinge“ zwei-, dreimal zu einer Redaktionssitzung kommen, aber keine Ideen einbringen und nie einen Artikel abliefern. Ich finde es schon gut, wenn man einmal „schnuppern“ möchte, allerdings stiehlt es auch den anderen viel Zeit, wenn einzelne Personen so „mitgetragen“ werden. Als Leitende Redakteurin versucht man ja, eine Themenplanung zu gestalten. Wenn ich weiß, dass ich 10 Personen in einem Ressort habe, bringt es mir nichts, wenn 5 davon nicht wirklich motiviert sind, tatsächlich etwas zu schreiben.
    Insofern hat sich der Probeartikel als ganz gute Methode bewährt, um die ernsthaft Interessierten von denen auszusortieren, die sich letztendlich eh nicht aufraffen können. Ehrenamtlichkeit ist schön und gut, aber ich möchte ja trotzdem in der Redaktion ordentlich arbeiten können. Es ist auch nur in sehr seltenen Fällen passiert, dass wir aufgrund eines Probeartikels gesagt haben, nein danke, wir brauchen dich nicht in der Redaktion. Ich kann mich nur an einen einzelnen Fall erinnern, als sich ein recht junges Mädchen beworben hat und die einen Artikel geschickt hatte, der so gar nicht gepasst hat. Das hätten wir auch mit Redigat und Schulung nicht hinbekommen bzw. hätten wir nicht die Ressourcen gehabt, um dermaßen viel Zeit zu investieren, sie entsprechend zu schulen. Alle anderen Artikel sind ja im Idealfall dann schon auf mokant.at erschienen, was Neulingen doch häufig Ansporn gibt, gleich das nächste Thema zu recherchieren.

    Noch ein Satz zu Motivationsschreiben & Lebenslauf: Ich hab nie großartig gestaltete, ins Detail gehende Schriftstücke erwartet. Es geht da ja eher darum, einen Überblick zu bekommen. Deine Kritik macht mir aber jetzt im Nachhinein schon bewusst, dass diese Anforderungen schon recht wild klingen. Das könnte definitiv besser formuliert werden, um niemanden abzuschrecken.

    Das waren damals zumindest meine/unsere Beweggründe, ob das heute noch dieselben sind, weiß ich nicht.

    @HG Danke für deine Meinung dazu. Ich wollte es im Blogbeitrag nicht so drastisch formulieren, allerdings kam mir als Erstes der Vergleich zu einem Gesangsverein in den Sinn: Da würde ja auch niemand auf die Idee kommen, vom Chorleiter Geld zu verlangen. Man ist doch einfach froh, dass man sein Talent nutzen und ausbauen kann und dabei noch nette Leute kennen lernt und eine feine Zeit verbringt.