„Grüne sind spaßbefreit“

„Grüne sind spaßbefreit“

Polarisierend und nie um einen Sager verlegen – Heinz-Christian Strache, FPÖ-Spitzenkandidat bei den Wiener Gemeinderatswahlen, redet gerne und viel. Nicht nur über den Wahlkampf, den er zur Zeit führt, sondern auch über die Getränke, die er während seiner basischen Entgiftung zu sich nehmen darf. „Der Rest ist Sport“, schließlich ist so ein Wahlkampf kein Spaziergang, sondern „ein Marathon“. Im Gespräch mit mokant.at bekräftigt er sein Ziel, die rote Absolute brechen zu wollen. Denn: „schwarz ist machtgeil“ und wenn Häupl rappt, gehen alle nach Hause.

mokant.at: Egal wem ich erzählt habe, dass ich ein Interview mit Ihnen führen werde – es hat extreme Reaktionen hervorgerufen, von Begeisterung bis hin zu totaler Ablehnung.
H.C. Strache: Sie brauchen keine Angst haben, ich beiße nicht. (lacht)

mokant.at: Gefällt es Ihnen, so zu polarisieren?
H.C. Strache: Nein, ganz und gar nicht. Aber es ist immer so, dass es Neider gibt in einer Gesellschaft, wenn man so erfolgreich ist. Wir sind angetreten um das Proporzsystem in unserer Gesellschaft aufzubrechen und Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft aufzuhalten und sie in eine sozial gerechtere und bessere Entwicklung zu führen. Und da gibt es natürlich immer Menschen, die andere Interessenslagen haben, weil sie Macht und Privilegien nicht verlieren wollen. Es wird oft mit Diffamierungen, mit bewusst falschen Unterstellungen gearbeitet, und man muss es immer so sehen: Wir, die Freiheitliche Partei, sind der kleine David, und wir haben einen Goliath gegen uns stehen.

mokant.at: Was ist das wichtigste Wahlziel für Wien? Über die zwanzig Prozent zu kommen?
H.C. Strache: Es gibt mehrere große Wahlziele. Das eine ist die rote Arroganz und Allmacht der SPÖ zu brechen. Wenn ich mir die jetzige SPÖ anschaue, mit Häupl als Verantwortungsträger, dann hat er Wien in vielen Bereichen in eine negative Richtung geführt.

[…]

mokant.at: In Ihrem Wahlkampf ist immer wieder von „unserer“ Kultur die Rede. Was ist das für Sie?
H.C. Strache: Ich habe versucht, das mit dem Plakat „Mehr Mut für unser Wiener Blut“ zum Ausdruck zu bringen. Unsere Kultur, das Wiener Blut, bringt die Wiener Lebensfreude zum Ausdruck. Ich empfinde diese Wiener Lebensart, die Lebensfreude, die Kultur, und deshalb sage ich auch, ich will Wien als Weltstadt erhalten, nicht zur Allerweltstadt verkommen lassen, sie soll unverwechselbar sein. All diese Positiva möchte ich erhalten wissen. Es gibt eine wundervolle Vielfalt in Europa, mit vielen Kulturen und Sprachen, und genauso liegt es mir am Herzen, die Kulturen und Sprachen in Europa zu erhalten. Ich will nicht diesen zentralistischen EU-melting-pot, wo eine Sprache am Ende gesprochen wird und sich alle Kulturen vermengen.

mokant.at: Gegen die Vermengung der Kulturen scheint sich auch Ihr Comic zu richten.
H.C. Strache: Wir haben unter anderem Wiener Sagen bearbeitet und im Comedy-Comic dargestellt. Darin haben wir meine Person und Michael Häupl in eine Zeitreise in die Vergangenheit zurückgeschickt, um zu zeigen, wie sich beide möglicherweise verhalten hätten. Allerdings in einer sehr lustigen Art und Weise, wo man sehen kann, dass in der Realität die Grausamkeiten sicher wesentlich dramatischer waren.

[…]

mokant.at: Liegt es an Ihrem Aussehen, dass Sie populär sind bei den Jungen?
H.C. Strache: Ich glaube es liegt daran, dass ich authentisch bin und als ehrlicher Mensch wahrgenommen werde, der den Mut hat, Fehlentwicklungen aufzuzeigen.

mokant.at: Herr Oxonitsch hat Ihnen wenig Authentizität bescheinigt, wenn Sie im Praterdome rappen.
H.C. Strache: Das ist insofern sehr authentisch, weil ich es ja mache. Ich gehe dort hin, bin für die Menschen da, jeder kann mit mir reden. Herr Oxonitsch geht dort gar nicht hin, und wenn er es täte, würde ihn erstens niemand kennen und zweitens keiner mit ihm reden wollen. Und wenn Josef Pröll und Häupl noch dazukommen, würden sie alle Menschen aus der Disco hinaustreiben. So gesehen ist es authentisch.

mokant.at: Sie haben sich als „Polit-Rapper“ bezeichnet …
H.C. Strache: Die Freiheit der Kunst habe ich für mich in Anspruch genommen.

mokant.at: Würden Sie es begrüßen, wenn andere Politiker darauf einstiegen?
H.C. Strache: Naja, dann würden sie mich kopieren. Was ist denn der Grund dafür, dass manche so aufgeregt reagieren? Weil ich im Bereich der modernen Kommunikationstechniken den anderen um  Lichtjahre voraus bin. Als ich 2004 Landesobmann geworden bin, war ich der jüngste Landesobmann aber auch der jüngste Bundesparteiobmann in der Geschichte der Republik. Ich habe damals bemerkt: Die Menschen sind nicht politikverdrossen, sondern Politiker-verdrossen. Wie kann ich Politik moderner, frischer transportieren, damit Menschen, die vielleicht gar nichts mehr mit Politik am Hut haben, sich wieder dafür interessieren? Das haben wir mit neuen Zugängen geschafft, unter anderem mit dem Rap. Warum nicht selbst einmal Probleme unserer Zeit offen ansprechen und damit einen Diskurs ermöglichen? Von Facebook, wo ich mit 65.000 Fans als Politiker die meisten Fans im deutschsprachigen Raum habe, bis hin zu Comics, wo wir die Freiheit der Kunst und der Karikaturen nützen. Wir sind auch viel lustiger als ein Haderer.

 

Das gesamte Interview könnt ihr auf mokant.at lesen.

Foto: mokant.at/georg marlovics

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